Stellungnahmen im VENDING report DACH 11-2022

Verbandsfragen
Stellungnahmen im VENDING report DACH 11-22

1) Seit Corona ist viel in der Branche passiert. Trends sind gewachsen, neue entstanden. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Branche hat sich intensiviert – man unterstützt sich noch mehr als früher. Wie denken Sie wird sich die Branche dahingehend in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln? Wird man wieder zum gewohnten Alltag zurückfinden oder diesen starken Zusammenhalt auch unter Konkurrenten beibehalten? Was denken Sie hat hierzu insbesondere geführt?

Unsere Meinung dazu:
Natürlich ist es erfreulich – und eigentlich selbstverständlich –, wenn sich Kollegen in der Krise z. B. auch der Lieferkettenproblematik wegen helfen. Doch ist es nicht etwas zu optimistisch gedacht, wenn in einem zudem erheblich härter werdenden Markt etwas (vor-) schnell von einem neuen Trend und „der Zusammenarbeit innerhalb der Branche“ gesprochen wird? Wer unsere Branche kennt, weiß, dass es zu schön wäre, hätte dieser Zusammenhalt auch Bestand. Man muss nicht gleich ein Pessimist sein, deutet man dieses Miteinander aufgrund der Erfahrungen ggf. als Ruhe vor dem Sturm. Besser erscheint hier die Frage, wieviele Entwicklungsoptionen wir als Unternehmer in der Vergangenheit außerachtgelassen haben . . . und damit Innovationschancen verpassten. Und warum überlassen wir den nicht unserer Branche angehörigen Großunternehmen, Seiteinsteigern und Startups seit Jahren wesentliche Marktsegmente, in denen sie sich oftmals ohne weitere Wettbewerber entwickeln können? Ist es nicht ursächliche Aufgabe der Automaten-Fachaufsteller / Vending-Operator den Markt „Automatisches Verkaufen“ zu entwickeln und zu professionalisieren, statt nur Geräte hinzustellen, wo man Umsatz vermutet? Also ein ganz anderer Ansatz, oder? „Zusammenhalt unter Konkurrenten“ erscheint da eher rar zu sein. Man macht ja auch nicht Generäle zu Friedensaposteln. Und gerade Clausewitz hat sinngemäß gesagt, Krieg sei die Fortsetzung des Marketing mit anderen Mitteln? Also, das mit dem „Zusammenhalt der Kollegen“ dürfte für die Realisten in unserer Branche eher eine vorübergehende Erscheinung sein, auch wenn’s anders erfreulicher wäre.

2) Die Branche wird immer digitaler – seien es QR-Codes, Payment-Lösungen oder Telemetrie. Immer mehr Operator stellen auf neue Systeme um. Hier gibt es viele Anbieter und noch mehr Lösungen, die Operator in ihren Alltag integrieren können. Wie sehen Sie die Entwicklung der Branche (innerhalb dieses Jahres) diesbezüglich? Welche Prognose haben Sie für die kommenden Monate und 2023? Was könnte sich Ihrer Meinung nach Richtung Digitalisierung und Vending noch verändern?

Unsere Meinung dazu:
Dass wir bzgl. der Abschaffung des Bargeldes gar schwedische Verhältnisse bekommen, wurde von uns Deutschen lange von der Hand gewiesen. Die jüngsten Meldungen der Banken zum Thema Bargeldabschaffung belehren uns da eines Besseren. Viele Automaten-Fachaufsteller / Vending-Operator sind deswegen geschockt, stellt doch die abzusehende Entwicklung zahlreiche konservativ denkende Unternehmer unserer Branche vor geradezu dramatische Entscheidungen. Nachrüsten, aufgeben oder was? Auch die Gefahr, hier erneut abgehängt zu werden, wenn nicht erhebliche finanzielle Mittel für die äußerst kurzfristig erforderlichen Anpassungsmaßnahmen fürs Cashless-Payment vorhanden sind, ist extrem
groß. Gleiches trifft auch auf die Bereitschaft weiter Branchenkreise zu, Markt und Marketing zumindest in unseren traditionellen Branchensegmenten einfach einmal komplett zu hinterfragen und neu zu denken. Das ist doch eher angesagt. Schließlich wird der Automat auch immer mehr zum Kommunikationsmodul für unterschiedlichste Leistungen, also dem „Branchen-übergreifenden-Automaten“. Und den gibt’s bereits: Zigaretten, diverse Glücksspiele, u.a.m., da logischerweise cashless und mit Alterskontrolle; natürlich nicht nur für diese Produkte. Außer Zweifel wird die Kommunikation mit dem Kunden über den Automaten in Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen und individualisiert werden. Vorstellbar ist gar der Kauf „on Demand“. Das beinhaltet die Option: Der Kunde bestellt oder teilt seine Wünsche der Service-Zentrale mit und holt später am Automaten oder einem zweiten die Ware ab. Ist DAS nicht wirklich markt- und kundenorientiertes Vending? Nicht unwahrscheinlich, dass sich derartige Entwicklungen schneller durchsetzen, als wir derzeit vermuten . . . oder es uns vielleicht lieb ist. Übrigens liegen auch im Bereich von Dienstleistungsautomaten noch ungeahnte Potenziale brach. Sicher sind auch hier die (unvorbelasteten) Newcomer und Seiteinsteiger wohl wieder die ersten, die den „alten Hasen“ zeigen, wie’s geht. Und dass es erfolgreich geht. Hier ein persönlicher Wunsch: Überzeugen Sie mich bitte von dem Gegenteil.

3) So wie sich das Messeleben, wie wir es kannten, seit Corona verändert hat, so haben sich auch die Einstellungen der Kunden und Besucher maßgeblich verändert. Schon lange kommt es nicht mehr auf die Quantität, sondern die Qualität der Besucher an, somit das Augenmerk auf das Wesentliche gelenkt wird. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Denken Sie, dass es in Zukunft nochmal einen Wechsel diesbezüglich geben wird? Was für Vorteile zieht dieser Wandel für Aussteller und auch Besucher mit sich? Wie sehen Sie die Entwicklung hierzu für die kommenden Jahre?

Unsere Meinung dazu:
Der Messe-Besuchs-Spaziergang hat wohl ausgedient. Nur Sehen und gesehen werden ebenfalls. Das gesamte Messewesen ist dabei sich neu aufzustellen: Optimiert, konzentriert, intensiv, nachhaltig; also reduziert auf das Wesentliche und auf den Erfolg der Unternehmen. Weg von einer „Nur-Sympathie-und-Alles-zeigen-Show“, hin zum Kompetenz- und Marköffnungsforum, anlassbezogen begleitet durch einen komprimierten und hochkarätigen Erfahrungsaustausch. Warum? Wir haben hier einfach nicht die Zeit uns zu verlieren. Das zeigen uns auch die Youngsters und Newcomer, die inzwischen verstärkt auf unseren Messen in Erscheinung treten. Da wird nicht lange diskutiert. Man ist gut vorbereitet, weiß, was man will, wird schneller konkret und will kompakte, stimmige Information erhalten und will das qualitativ Beste (wobei adäquate Preise kein Hindernis zu sein scheinen). Dennoch sind auch Human-Relations-Maßnahmen nicht verzichtbar; nur sollten sie gezielter eingesetzt werden, auch im Sinne von mehr Effizienz.

4) Welche Trends sehen Sie für die kommende Wintersaison bzw. welche Segmente werden sich verstärkt durchsetzen? Gibt es einen Wechsel zu den vergangenen Jahren? Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Hot/Cold/Snack sowie saisonalen Produkten für die kalten Wintermonate?

Unsere Meinung dazu:
Wer nur den Erfolg von gestern wiederholen möchte oder an zum Teil recht gebeutelten „klassischen“ Marktsegmenten festhält, läuft Gefahr, dass ihm sein Markt schon bald nicht mehr ausreichend ernährt. Pandemie und die aktuellen weniger positiven Marktentwicklungen zeigen, wie verletzlich wir z. B. im Betriebsmarkt sind. Gleiches trifft für die anderen Branchebereiche Warenautomaten, Kiddy und Gaming zu. Und doch staunen wir immer wieder, dass neue Ansätze möglich und entwickelbar sind, die vielleicht sogar das Zeug für Trendsetter haben. Voraussetzung, wir beobachten den Markt aktiv und professionell und schauen, wo „noch etwas gehen könnte / geht“. Das geht inzwischen oft schon nicht mehr ohne Internet, was uns Branchenneulinge bestens zeigen. Egal ob wir‘s gut finden oder nicht, “Onkel Kramer“ könnte da ein Beispiel sein. Resümee: Ungewöhnliche, innovative Präsentation und Produkte, auch Non-Food-Spezialitäten aller Art und das an ganz angenehm anderen Standplätzen, das wird das Public-Vending bzw. die Out-Door-Aufstellung immer attraktiver machen. Und erfolgreich sein, wenn wir zudem einen Teil unseres zu engen Branchendenkens ablegen. Zugunsten einer Aufstellung, bei der wir uns nicht scheuen, auch uns fremde Geräte zu platzieren und dem Kunden ein Partner sind, der keine der möglichen Automaten-Typen ausschließt.

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