Verbandsfragen 
Fragen des Vending report an den VAFA und unsere Antworten in VR DACH 11-19

  1. Eine pflanzenbasierte Ernährung ist auf dem Vormarsch. Immer mehr wird nach Alternativen gefragt, das Bewusstsein für vegane Ernährung steigt. Meist handelt es sich hier um frisch zubereitete Mahlzeiten, jedoch ist auch Kaffee mit Milchersatzprodukten ein immer häufiger gefragtes Produkt. Welche Voraussetzungen muss eine Maschine erfüllen, um auch die vegane Zielgruppe zu erreichen?

    Unsere Meinung dazu:
    Alles bei einer neuen Erkenntnis sogleich auf den Kopf zu stellen, ist erfahrungsgemäß selten gut. Gut erscheint hier hingegen, die Entwicklung genau zu beobachten und im wahrsten Sinne des Wortes dosiert anzugehen. Was heißt das? Da unsere Gesellschaft wohl nicht auf einen Schlag vegan wird, sind sowohl Hersteller wie auch der Automaten-Fachaufsteller / Vending-Operator dahingehend gefordert, dieser Entwicklung nicht zu trotzen, sondern sie in einer wohlabgestimmten Art und Weise zu begleiten. Sicher wird da nicht das große Standgerät sogleich auf „voll-vegan“ umgeswitcht. Der Aufsteller tut sicher gut daran den Trend zunächst mit einem separaten 2., also ggf. kleineren Gerät zu begleiten, um nicht die klassische Klientel zu verlieren, jedoch seine Service-Bereitschaft auch für neue Zielgruppen und Produkte zu unterstreichen.

    In hohem Maße sind hier natürlich auch die Geräte wie auch Produkthersteller gefordert. Sie werden sich die Frage nach der Machbarkeit wie auch dem veganen Marktvolumen stellen müssen. Und die nach der Bereitschaft der Service-Unternehmen, diese Herausforderung anzunehmen.

 

  1. Wie hat sich das Thema Cashless Payment in ihrem Land entwickelt? Sind Tendenzen zu erkennen, dass der Konsument eher zur Karte als zum Bargeld greift?

    Unsere Meinung dazu:
    Hüten wir uns davor, den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel auf Cashless zu verpassen. Was da auf uns hier in Deutschland zurollt, ist kein Stück Peanuts. Das wird sowohl vom Bezahlverhalten als auch vom After-Sale, also der Bargeldabwicklung und ihrer Logistik so ziemlich alles auf den Kopf stellen. In Schweden geht schon fast nichts mehr ohne Bares, in den Niederlanden wird dieser Trend auch immer stärker, und in Deutschland?

    Noch geht fast alles mit Barem, doch aus einer ganz anderen Ecke werden wir mehr und mehr bedrängt: Die Banken – gleich welche – machen derzeit mobil, will heißen, sie belegen unsere Bargeldeinzahlungen mit immensen Gebühren bzw. limitieren die jeweilige Einzahlmenge des Bargelds immer mehr.

    Diese Entwicklung trifft uns alle in dieser Branche, insbesondere jedoch die Bereiche, die bisher nicht „vorgedacht“ haben, was das für sie bedeutet. Diejenigen, die bereits bargeldlos arbeiten, sind hier fein heraus. Die, jedoch, die Schein und Münze als unsterblich einstufen, werden wohl über kurz oder lang eine böse Überraschung erleben. Stellen Sie sich vor, es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn wir hier von weit mehr als 1 Mio. Automaten ausgehen, die technisch nicht auf bargeldlos umzustellen sind oder nur mit einem extrem hohen Aufwand an Zeit und Geld. Es lohnt also heute schon sich hierzu Gedanken zu machen und die Zukunft diesbezüglich in konkreten Schritten anzugehen.

    Dass wir uns gegen eine vollständige Abschaffung des Bargeldes einsetzen, versteht sich von selbst. Wie auch die Aktion der IHK Gießen „EZB – Europa zahlt bar“ vermittelt, begeben wir uns ansonsten vollkommen in die Hände derer, die nicht selbstlos und nur kundenfreundlich sind und handeln, sondern hier eigennützig ihre Interessen in den Vordergrund stellen: Banken z. B. im Sinne von Personaleinsparungen und Renditeoptimierungen sowie voller Kontrolle und der Option, die Gebühren für Zahlungen willkürlich „entwickeln“ zu können. Wer erinnert sich wohl noch an das Versprechen in den 1970er Jahren bei der Einführung der Girokonten, dass diese kostenfrei seien?! Wer noch von solchen Entwicklungen profitiert? Ach ja, das Finanzamt, es will immer mehr „Transparenz“, gläserne Steuerzahler jedoch ohne die Zusicherung dass auch der Staat für uns transparenter wird. Und auch der Onlinehandel wird von „Bargeldlos“ profitieren – und unser Konsumverhalten wird damit noch mehr auf den Kopf gestellt, übrigens auch zu Lasten unserer Umwelt. Bleibt hier nochmals zu betonen, dass wir nicht gegen Cashless sind, jedoch mit dem Baren einfach zusätzliche Bewegungsfreiheit behalten wollen.

    Wer hier auch ein groß Teil Mitverantwortung trägt, sind unsere Hersteller. Eine nicht unbeträchtliche Zahl von ihnen (z. B. Warenautomatenaufsteller) investiert lieber in neue Kunststoffmaterialien und Farben sowie in tolles Design, denn in die zukunftsfähige (zumindest parallel fahrbare) bargeldlose Technik. Ein gefährlicher Weg. Bleibt nur zu hoffen, dass sich hiervon nicht zu viele Automaten-Fachaufsteller / Vending-Operator blenden lassen und schnell verstehen, was hier angesagt ist: Umfangreiche Neuinvestitionen sowie Verschrottung teilweise ganzer Automatenbestände stehen unweigerlich an. Und das kostet. Gut, wer da rechtzeitig mit der neuen Technik anfängt und über eine ausreichendes finanzielles Polster für die Neugeräte verfügt. Schlecht wer glaubt das gehe auch diese mal wieder gut und das ließe sich mit Aussitzen erledigen.

  2. Superfoods, high-protein, organic – all dies sind Stichworte für heutige Trends und Ernährungsweisen. Gerade im Fitnessbereich wird häufig proteinreiche Nahrung angefragt. Hier stellt Vending eine sehr gute Möglichkeit der Verpflegung dar. Würden Sie sagen, dass diese Sparte in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird oder bleibt sie eben „nur ein Trend“?

    Unsere Meinung dazu:
    Vorbemerkung: Deutschland hat rund 82,8 Mio. Einwohner. Waren es 2003 noch 4,38 Mio., die Mitglied in Fitnessanlagen waren, so stieg diese Zahl bis 2018 auf 11,09 Mio., was einer Steigerungsrate von 153,2% (!) entspricht. Solch einen Zuwachs hat wohl kaum einer der im Vending-Service tätigen Kollegen außer im Startup-Jahr vorzuweisen.

    Freizeit, Fitness, Regeneration und „Bewusst leben“ geraten immer mehr in unseren Fokus, werden Lebensqualitäts-bestimmend. Fitness und Gesundheit sind somit nicht nur ein „neuer Trend“, sie werden zum „Megatrend“, denn den über 10 Mio. Mitgliedern in Fitnessanlagen stehen erheblich weniger (aktive UND passive) Mitglieder in den Sportverbänden gegenüber (Fußball 7 Mio., Alpenverein 1,1 Mio., Turnvereine 5 Mio.).

    Dieses Zahlenspiel musste sein, um erkennbar zu machen, dass hier mit kreativen und zielgruppenspezifischen Angebotskonzepten auch für unsere Branche noch einiges zu „holen“ ist. 

 

Paul Brühl / VAFA e.V.

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