Verbandsfragen
Fragen des Vending report an den VAFA und unsere Antworten in VR DACH 05-18

1. Wie verbreitet und akzeptiert ist Cashless-Payment mittlerweile? Passen Operator ihr
Business an bargeldloses Bezahlen an oder wird weiterhin auf Bargeld gesetzt
werden?

Unsere Meinung dazu:
Im Inhousebereich ist Cashless seit Jahren eigentlich kein Problem. Schwierig wird es, wenn‘
s nach draußen geht, nämlich in den Bereich des echten Public Vending. Wenn gar mehrere
Karten akzeptiert werden müssen, also Mastercard- und Kreditkartenakzeptanz gefragt ist
und der Kunde oder Automatenaufsteller nicht die Zeche enormer, derzeit meist überhöhter
Abrechnungs- und Transaktionskosten übernehmen soll. Da bleibt bei den meist kleinen
Umsätzen letztendlich und logischerweise kein vernünftiges Ergebnis mehr für den
Aufsteller/Operator.
Das war der eine Aspekt. Der 2. Ist prickelnder: Nun haben wir endlich den Euro und wollen
ihn immer weniger in der Handhalten? Klar gibt es viele Bereiche vor Bargeldlos gefragt und
attraktiv(er) ist. Doch hängen zahlreichen Studien zufolge zumindest wir Deutschen am
Baren. Nicht zuletzt wird das auch durch die Aktion EZB der IHK Gießen-Friedberg
unterstrichen, die von zahlreichen Verbänden und Organisationen unterstützt wird, so auch
vom VAFA – Verband Automaten-Fachaufsteller. EZB steht in dieser Aktion für >EUROPA
ZAHLT BAR<.
Und in diesem Zusammenhang führte ich in der IHK-Zeitschrift wie auch in einschlägigen
Fachzeitschriften unserer Branche bereits aus wie sehr unser Branche gebeutelt wird, neben
der aktuellen Null-Zins-Politik, den steigenden Aufwendungen für Kontoführung und
Geldbearbeitung sowie der stetigen Reduzierung der Bargeldmenge. Ganz ohne – auch
wenn das bisweilen schön sein kann – geht’s nicht in unserer Branche. Ohne Münzgeld ist
unser Business nicht denkbar, auch wenn neue technische Entwicklungen verlockend
erscheinen und uns faszinierende Optionen aufgezeigt werden. Schließlich zählt die
Automatenbranche in Deutschland ca. 2,5 Mio. Geräte u. a. für Kaugummi, Toys, Coffee,
Candy und Coke, für Kiddy Rides und Kondome, weitere Warenautomaten sowie Fun und
Gaming. Von diesen Automaten sind, wenn‘ s hoch kommt, ca. 800.000 auf bargeldlose
Systeme um-/nachrüstbar. Der Rest hat mechanische oder elektromechanische Münzprüfer/-
wechsler und ist somit technisch nicht für den bargeldlosen Betrieb geeignet.
Fragen wir doch einmal, wer an der Münzgeldabschaffung und dem Ende der Scheine (der
500er ist doch nur der Anfang vom Ende der Scheine!) ein Interesse hat? Schnell drängen

sich Vermutungen auf, wonach der Informationshunger von Staat/Fiskus, Banken und High-
Tech-Unternehmen wie Amazon und Co. übergroß ist. Stets nach der Maxime: Alles

erfahren, alles wissen um letztlich sogar alles zu steuern. Vielleicht auch uns? Wer da auf
der Strecke bleibt, ist der Mittelstand. Das z. B. sind wir, unsere Automatenkunden und hier
auch unsere Kiddys; denn wer denkt bei diesem Thema schon an die, die z. B. mit der
Kaugummikugel am Automaten ihre ersten Kauferlebnisse machen. Und die Vielzahl der
Kinder verfügt in der Regel nicht über Bank-, Kreditkarten oder Handys, mit denen dann zu
zahlen wäre.
Machen wir uns nichts vor, unabhängig von diesen Überlegungen soll hier doch letztendlich
nur eines erreicht werden: Intensivere Bindung statt pekuniärer Unabhängigkeit, vollständige
Nachvollziehbarkeit und Beeinflussbarkeit des Kaufverhalten statt . . . ja, statt Freiheit.

Deshalb ist es nicht gut, wenn wir wieder einmal hoffen dass alles gut geht, obwohl die
Konsequenzen bereits – zumindest teilweise – absehbar sind, denn das Thema ist heiß und
es geht um unsere Freiheit, ob, wie, wo, wann und wieviel wir kaufen und unser BARES
dafür ausgeben; und uns nicht von unserer Bank auch noch dafür bestrafen lassen, wenn
unser Haben auf dem Konto „zu hoch“ ist. Nicht wahr? Heißt es nicht, „Nur Bares ist
Wahres?“. Wie Recht unsere Väter hatten.
Dazu noch etwas: Birgt der Besitz eines 500 €-Scheins, der zunächst abgeschafft werden
soll, etwa mehr Risiko als der Besitz eines Kontos in Panama? Ein wenig konservativ zu
sein, ist kein Fehler und technischer Fortschritt muss deshalb auch nicht generell und
allübergreifend von Vorteil sein. Bedenken, nein, kalkulieren wir doch einfach die
Konsequenzen und handeln auch danach.
2. Welchen Stellenwert nehmen moderne Software-Systeme beim Automatengeschäft
ein und inwieweit sind für Operator neue Technologiestandards wie Touch-Screens
usw. wichtig?

Unsere Meinung dazu:
Gut, wenn Automaten-Fachaufsteller / Vendingoperator begriffen haben, dass nicht die
„Kiste“ im Mittelpunkt des Geschehens mit unseren Kunden steht. Den Wünschen,
Bedürfnissen und Empfindungen / Gefühlen unserer Kunden müssen wir als Branche
entsprechen, Abwechslung ins Geschäft bringen, Kommunikation und Spaß ermöglichen und
die Prozesse FÜR UNSERE KUNDEN so einfach wie möglich gestalten. Genau da tun
natürlich dem Kunden und somit letztendlich auch uns moderne Software-Lösungen und
Touchscreens gut. Sie müssen jedoch bezahlbar und technisch umsetzbar sein, nicht nur im
Showroom, sondern auch draußen, wo der Bär tanzt . . . damit auch er letztendlich zu
unserem Automaten kommt. Dennoch: Vorsicht, nicht alle Aufgabenstellungen in unserer
Branche sind allein mit solchen Hightech-Ansätzen zu lösen.
3. Werden die Faktoren Service und persönliche Kundenbetreuung auch im Zuge der
Digitalisierung und Automatisierung für das Operating so wichtig sein wie früher oder
wird ein technologisches High-Tech-Repertoire das praktische Business grundlegend
verändern?

Unsere Meinung dazu:
Ja, und wie!!!!! Der Betreiber der Automaten wird sich mit neuester Transfertechnologie vom
Kunden noch sehr viel mehr gefordert sehen, als bisher. Gerade die Individualisierung der
Kommunikation, intensivere Ausrichtung auf die immer differenzierteren Zielgruppen, noch
schnellere Reaktionszeiten auch aufgrund der Telemetriemöglichkeiten werden ihn fordern.
Da interessiert nur noch WAS DER KUNDE WILL und dem ist zu entsprechen. Also ein
NEUER BESSERER SERVICE, um ihn zu behalten und zu binden . . . und die
Technikkompetenz bzw. –verliebtheit rückt immer weiter in den Hintergrund.

Paul Brühl / VAFA e.V.

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